Thekla Kurz: Ethylcellulose als Hilfsstoff für retardierte Zubereitungen

Es wurde der Einfluß des Lösungsmittels auf die Filmstrukturen daraus gewonnener Ethylcellulose untersucht. Die Klassifizierung der Lösungsmittel erfolgte unter Anwendung der Kohäsionsparameter. Dabei zeigte sich, daß der Kohäsionsparameterunterschied zwischen Ethylcellulose und Lösungsmittel entscheidend ist. Bei schlechten Lösungsmitteln mit stark abweichendem Kohäsionsparameter muß bei der Filmentstehung ein zweiphasiger Zustand durchlaufen worden sein, der zur Ausbildung kugeliger und netzartiger Strukturen führte. Die Filme waren makroskopisch weiß und sehr inhomogen. Bei geringerer Kohäsionsparameterdifferenz entstanden weitgehend amorphe, sehr homogene Filme, deren Durchlässigkeit für Wirkstoffe jedoch sehr gering ist. Aus einem sehr guten Lösungsmittel wie Chloroform resultierte ein Film mit einer mikroskopisch schwammartigen Struktur. Während mit differentialthermoanalytischen und röntgendiffraktometrischen Untersuchungen keine höhere Kristallinität dieses Films nachgewiesen werden konnte, deuten die Bestimmung von Verteilungskoeffizienten und Diffusionsversuche auf das Vorliegen eines höheren Ordnungszustandes hin.

Entscheidend für die Filmstruktur ist dementsprechend der Kohäsionsparameterunterschied, unabhängig davon, ob eine Abweichung in lipophile oder hydrophile Richtung vorliegt. Wegen der verstärkten Kristallisationsneigung bei Filmen aus sehr guten Lösungsmitteln sollten diese möglichst nicht eingesetzt werden. Eine optimale Filmbildung mit homogenen, nahezu amorphen und leicht reproduzierbaren Filmen wird aus mittelguten Lösungsmitteln erhalten.

Für eine ausreichende Durchlässigkeit der Filme muß der Wirkstoff im Hüllmaterial gut löslich sein. Die Löslichkeit läßt sich über Gruppenbeitragsmethoden, mit denen der Kohäsionsparameter aus der Strukturformel berechnet werden kann, gut abschätzen. Es konnte gezeigt werden, daß ähnliche Berechnungsmethoden auch bei Celluloseethern zu guten Ergebnissen führten, so daß über gezielte Vorausberechnungen der ideale Hüllstoff für einen Wirkstoff entwickelt werden kann.